"High Power"
Film und Diskussion mit dem indischen Regisseur Pradeep Indulkar

b_215_215_16777215_00_images_stories_akt13_high_power_2.jpgWir zeigen den Film „High Power“ (Starkstrom), Indien 2013, 27 min, Regie: Pradeep Indulkar, Original mit deutschen Untertiteln.

Der Debütfilm Pradeep Indulkars, der einst als Ingenieur in der Atomforschung arbeitete, erzählt von den Folgen des Baus des ersten indischen Atomkraftwerks Tarapur in den 1960er Jahren. Die lokale Bevölkerung verlor Land, Fischgründe und Gesundheit.

Pradeep Indulkar berichtet auch vom Widerstand der Bevölkerung gegen das geplante AKW Jaitapur. Dort will Areva in einem Erdbebengebiet das größte AKW der Welt bauen – mit der Unterstützung der deutschen Regierung.

Weitere Aufführung: 25. September | 20:00h | Murrhardt, Murrlichtspiele

Weitere Informationen zum Thema "Indien" sowie Infos zu Aufführungen in weiteren Orten unter: http://indien.antiatom.net
Flyer/Kopiervorlage zur Filmveranstaltung zum verteilen: Hier als *.pdf (Din A5 zweiseitig)

Tarapur und Jaitapur liegen an der Westküste Indiens im Bundesstaat Maharashtra - Tarapur 100 km nördlich, Jaitapur 400 km südlich von Mumbai.

Vor wenigen Wochen berichtete der Deutschlandfunk aus Tarapur:

Rajendra Phatarpekar steht mit Keni und anderen Fischern auf der Kaimauer und unterhält sich. Der Aktivist besucht die Dörfer rund um das Atomkraftwerk Tarapur regelmäßig. Seit das Atomkraftwerk am Netz ist, passieren immer wieder Unfälle und Betriebsfehler, sagt er. Oft müssten die Reaktoren abgeschaltet werden. Bereits vier Jahre nach Start - 1973 - floss eine große Menge radioaktiv verseuchtes Wasser ins Meer. Ein Leck war die Ursache.

"Der gesamte Fang der Fischer wurde damals beschlagnahmt und vermutlich vernichtet. Sie haben die Fischer medizinisch behandelt, ohne zu sagen, warum. Wahrscheinlich waren sie hoher radioaktiver Strahlung ausgesetzt."

Physik-Professor Rajamaran sieht in solchen Vorfällen nichts Ungewöhnliches.

"Auch in einem Chemiewerk gibt es hier und da mal ein Leck oder Kurzschluss. Das passiert eben. Vor allem in Indien. Wenn die Atombehörde das alles melden würde, gäbe es nur Panik. Denn die meisten wissen gar nicht, was das bedeutet, ob nun Reaktor 2 leckt oder nur die Toilette. Für sie macht das doch keinen Unterschied. Ich kann zwar nicht behaupten, es gäbe keine kleinen Zwischenfälle in unseren Atomkraftwerken, aber eines ist sicher: Die Sterblichkeitsrate ist deswegen nicht signifikant gestiegen."


und aus Jaitapur:

In der Moschee von Nate sitzen die Fischer und ihre Frauen auf Teppichen und diskutieren über weitere Protestaktionen gegen den Bau des Atomkraftwerks in der Nähe ihres Dorfes. Wer drinnen keinen Platz mehr gefunden hat, schaut von draußen durch die unverglasten Fenster. Das ganze Dorf sei gegen das Atomkraftwerk, sagt Fischer Govalkar. Alle treffen sich mehrmals im Monat. Dabei sind Demonstrationen und Versammlungen hier in der Region verboten worden. Regelmäßig patrouillieren Polizisten durch die Dörfer. Manchmal griffen sie brutal durch, erzählt Govalkar und erinnert sich an den 18. April 2011. Damals erschoss die Polizei während einer Demonstration einen der Aktivisten aus dem Dorf.

"Ich war dabei. Frauen und Kinder wurden geschlagen. Und direkt vor mir habe ich gesehen, wie der Junge erschossen wurde. Danach hat die Polizei uns gedroht. Wenn wir nicht verschwinden, sagten sie, werdet ihr die nächsten sein."

In Jaitapur plant der Atomkonzern Areva sechs Reaktoren mit einer Gesamtleistung von 9.900 Megawatt. Zur wirtschaftlichen Absicherung hat Areva eine Hermesbürgschaft beantragt. Der Bau des EPR-Reaktors in Olkiluoto (Finnland) garantiert derzeit 1000 Jobs bei Areva in Erlangen und Offenbach. Jaitapur könnte das Nachfolgeprojekt sein.

Die Bundesregierung fördert den Bau von Atomkraftwerken im Ausland. Man halte an der bisherigen Förderpraxis fest, heißt es nach SPIEGEL-Informationen in einem Schreiben von Wirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) , weil die Energiewende nur "die nukleare Stromerzeugung im Inland betrifft".


Filmabend: „High Power“ in Anwesenheit des Regisseurs Pradeep Indulkar
Freitag, 20.09., 20h, Ludwigsburg, DemoZ, Wilhelmstr. 45/1
Mittwoch, 25.09., 20h, Murrhardt, Murrlichtspiele, Klosterhof 2

Weitere Termine: http://indien.antiatom.net