Schreiben der Initiativen an Bürgermeister, Kreis- und Landräte

b_215_215_16777215_00_images_stories_akt16_160720-akw-obrigheim.jpgAm 20. Juli schrieben die Antiatom-Initiativen um das AKW Obrigheim un Neckarwestheim an alle Kommunen und Kreise entlang der für die Castor-Transporte vorgesehenen Neckar-Strecke, um diese über die speziellen Gefahren solcher Flusstransporte und über Handlungsmöglichkeiten zu informieren.
Bereits vor zwei Jahren hatte die EnBW angekündigt, die 15 CASTOREN mit hochradioaktivem Atommüll aus Kostengründen nach Neckarwestheim zu transportieren (siehe "EnBW-Wunschkonzert mit hochradioaktivem Atommüll!")
Im Artikel dokumentieren wir das gemeinsame Schreiben der AG Atomerbe Neckarwestheim, der Initiative Atomerbe Obrigheim und des BBMN.

 

Die Antiatom-Initiativen Obrigheim / Neckarwestheim

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An alle Bürgermeisterinnen/Bürgermeister entlang der geplanten Transportstrecke

An die Landräte der betroffenen Kreise

mit der Bitte um Weiterleitung an alle Gemeinderäte
mit der Bitte um Weiterleitung an alle Kreisräte

Castortransport auf dem Neckar?

15.07.2016

Sehr geehrte Frau Bürgermeisterin, sehr geehrter Herr Bürgermeister,
sehr geehrte Damen und Herren Gemeinderäte und Stadträte,
sehr geehrter Herr Landrat, sehr geehrte Damen und Herren Kreisräte,

am 20.06.2016 hat die Firma EnBW in einer Pressekonferenz mitgeteilt, dass sie in circa fünf Schiffstransporten Castoren mit hochradioaktiven Brennelementen auf dem Neckar von Obrigheim nach Neckarwestheim überführen will. Als Anrainer des Neckars sind die Menschen in Ihrem Einzugsgebiet besonders betroffen.

Um in Obrigheim den Bau eines Castoren-Lagers einzusparen, sollen die Castoren im Neckarwestheimer Zwischenlager zu den bereits vorhandenen eingelagert werden. Es würde eine noch stärkere Konzentration von Atommüll am Standort Neckarwestheim mit seiner ungeeigneten Geologie von Auswaschungen und Hohlräumen bedeuten.

In der Vergangenheit wurde ein Transport auf dem Neckar von der EnBW selbst als zu gefährlich eingestuft. Nun sind die in Obrigheim lagernden Brennelemente dem – wegen hoher Strahlenrisiken sehr fragwürdigen – Billig-Abriss des dortigen Atomkraftwerks im Weg.
Jetzt wirft die EnBW die damaligen Sicherheitsbedenken über Bord.

Transporte von Castoren sind riskant: sie sind unfallträchtig, da Schiffstransporte dieser Art nicht erprobt sind. Die Bergung eines havarierten Castors aus dem Neckar erscheint aussichtslos. Ein besonderes Risiko besteht an den Schleusen. Zudem sind sie ein leichtes Ziel für einen Terroranschlag. Die Zerstörung eines einzigen Castors könnte ganze Landstriche unbewohnbar machen. Ein Transport auf dem Neckar birgt somit unübersehbare Gefahren für die Bevölkerung. Andere Atomtransporte in der Vergangenheit erfolgten regelmäßig ohne ausreichende Information und ohne realen Schutz von Mensch, Natur und Kommunen.

Wir bitten Sie, bei Ihren Überlegungen die Sicherheit der Bevölkerung als wichtigste Aufgabe zu sehen und mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln die Transporte durch Ihre Gemarkung zu verhindern.

  • Sie können sich an die Genehmigungsbehörde wenden (das Bundesamt für Strahlenschutz),
  • Sie können die Offenlegung geplanter Schutzvorkehrungen fordern,
  • Sie können bei der EnBW volle Haftung für schwerste langjährige Schädigung des Neckars einfordern,
  • Sie können die Landesregierung fragen, mit welchen Maßnahmen man eine radioaktive Verseuchung des Neckars bekämpfen und den Lebensraum wieder herstellen würde, und
  • Sie können Ihre Bürger informieren, dass es keinen Schutz vor Schäden durch Radioaktivität gibt, welche man mit Luft, Wasser oder Lebensmitteln in den Körper aufgenommen hat.

Für Fragen stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung.

Wir möchten Sie zusätzlich auf die auslaufende wasserrechtliche Genehmigung für das Atomkraftwerk Neckarwestheim hinweisen. Um einen Weiterbetrieb des Atomkraftwerks zu ermöglichen, soll diese verlängert werden (das Verfahren wird beim Landratsamt Heilbronn angesiedelt sein). Damit würde erlaubt, auch in Zukunft radioaktiv verseuchtes Wasser in den Neckar einzuleiten. Die Gesundheit der Menschen ist damit weiterhin gefährdet.

Wir bitten Sie gegen die Verlängerung vorzugehen.

Um die steigende Belastung der Umwelt durch radioaktive Strahlung zu stoppen und uns alle vor zusätzlich produziertem Atommüll zu schützen gibt es nur einen Weg: Alle AKWs sofort abschalten!

 

Mit freundlichen Grüßen

AG Atomerbe Neckarwestheim, Initiative Atomerbe Obrigheim und BBMN (Bund der Bürgerinitiativen Neckarwestheim)

www.atomerbe-neckarwestheim.de
www.atomerbe-obrigheim.de
www.bbmn.de

 

(Das Aktionsbündnis CASTOR-Widerstand Neckarwestheim ist Teil der AG Atomerbe Neckarwestheim)