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Auslaufen der EEG-Förderung ab Ende 2020 - Wie die Windkraft in Deutschland scheitert

b_215_215_16777215_00_images_stories_energiewende_2020_200729-wind-p.jpgDer Bundesverband Windenergie und die Fachagentur Windenergie haben die aktuellen Zubau-Zahlen für Wind an Land für das 1. Halbjahr 2020 veröffentlicht. Bis jetzt wurden bundesweit nur 188 Windräder mit einer Leistung von 590 Megawatt neu gebaut. Damit setzt sich die Flaute aus dem Jahr 2019 mit nur 325 Windrädern und 1078 Megawatt fort. Zieht man für 2019 noch das Repowering und die zurückgebauten Anlagen ab, wurden nur 243 Anlagen zusätzlich errichtet. Dies ist der niederste Zubau seit über 20 Jahren.
Die Ursache für diese Entwicklung sind die seit 2017 geltenden neuen EEG-Vorschriften, wonach sich jedes Windrad und alle größeren Photovoltaik-Anlagen an einer bürokratischen Ausschreibung der Bundesnetzagentur beteiligen müssen und eine jährliche Zubau-Deckelung stattfindet. So wurde die bisherige erfolgreiche dezentrale Energiewende abgewürgt.
Wir verfolgen als Aktionsbündnis seit 2013, wie die Politik zu Gunsten der Energiekonzerne mit diversen Änderungen im EEG die bisherige regenerative und dezentrale Energiewende ausbremst und behindert. Hier im Artikel findet Ihr eine Zusammenfassung der wichtigsten Fakten:

Zeitraum 2010 -2013: der starke Anstieg der regenerativen Stromerzeugung begann 2010 von damals 19% auf heute 55% Nettostromerzeugung. Vor allen Dingen die Photovoltaik hatte in diesen Jahren ihren Durchbruch mit hohen Zubau-Zahlen von vielen neuen, auch größeren Anlagen. Auch die Windenergie hat insgesamt 9.100 Megawatt Leistung neu errichtet. Die politischen Ausbremser und die Energiekonzerne wurden aktiv. Mehrmals wurden kurzfristig die Einspeisevergütungen gesenkt, Rahmenvorschriften geändert um Unsicherheit zu erzeugen, Planungssicherheit zu verhindern. Die Gesetzgebung bereitete politisch die dann ab 2017 geltenden neuen Zwangs-Ausbrems-Vorschriften vor. „Notwendige Marktanpassungen“ war das Schlagwort.

Zeitraum 2014 – 2017: Der Photovoltaik-Zubau brach durch die gesetzlichen Änderungen und Dumping-Angebote aus China ein. Es gingen 150.000 Arbeitsplätze verloren. Allerdings startete die Windenergie mit 6.550 neuen Windrädern und zusätzlichen 18.400 Megawatt Leistung durch. Der Anteil der regenerativen Stromproduktion seit 2010 verdoppelte sich. Jetzt herrschte bei den Energiekonzernen Alarmstimmung. RWE & EoN begannen ihre bis heute andauernden dreifachen Konzernumbildungen. Die Politik lieferte die Ausbremsgesetze: jährliche Deckelung und Ausschreibungszwang mit Wirkung zum 01.01.2017. Die Bundesnetzagentur führt seitdem 3-4 jährliche Ausschreibungen mit kleinen Mengen durch. Angebote gingen zu Beginn immer das 3-5 fache der Ausschreibungen ein. Die Mehrzahl der Anbieter erhielt keinen Zuschlag: Kosten & Frust statt Energiewende war die Folge. Beim Zubau Wind wurde so der Kahlschlag erreicht, auch weil viele Windräder trotz Zuschlag nicht gebaut werden und Energiegenossenschaften, GBRs sowie Bürgerwindräder rechtlich erschwert und so praktisch unmöglich gemacht wurden.

Zeitraum 2018 bis heute: Der wichtigste Pfeiler einer Energiewende - Wind an Land - wurde mit den neuen Regelungen erfolgreich ausgebremst. Bereits 2018 brach der Zubau an Windrädern auf nur noch 743 ein, in 2019 nur noch netto 243 Anlagen. Dies ist der niederste Stand seit über 20 Jahren.
Fossile haben wieder Vorfahrt: Die Bundes- und Landesregierungen haben mit der Mogelpackung „Kohleausstieg“ eine Bestandsgarantie für Kohlekraftwerke gegeben. Erst 2035 und 2038 sollen die größten und umweltschädlichsten Braunkohlekraftwerke vom Netz; dies noch gekoppelt mit bis zu
5 Milliarden Euro Entschädigungszahlungen.

Wind und Photovoltaik wurden erfolgreich erledigt. Der „Mindestabstand Wind“ (aus dem „Kohleausstieg“) mit 1 km gilt nicht nur für neue Anlagen, sondern auch für das Repowering. Somit fallen schon dadurch ein Drittel der heutigen Wind-Standorte weg. Im Klimapaket der Bundesregierung stehen für 2030 als Ziel nur 65% erneuerbare Stromerzeugung. Warum das? Im ersten Halbjahr 2020 hatten wir bereits 55% erneuerbaren Strom.

Weitere Energiewende durch System- und Besitzwechsel
Die bisherige erfolgreiche dezentrale, regenerative Energiewende hat einen Systemwechsel eingeleitet. Bei der Produktion, der Verteilung und den Eigentumsverhältnissen in der Strom- und Wärmeerzeugung. Weg von wenigen fossilen umweltschädlichen Großanlagen, hin zu einer dezentralen Struktur. Photovoltaik benötigt überhaupt keine Hochspannungsleitungen, wird regional erzeugt und verbraucht. Den bisherigen Energiekonzernen gehören gerade mal 5% der neuen Energiewende- Anlagen. Bürgerenergie, GBRs, Solarvereine, Stadtwerke, Städte- und Gemeinden sind überwiegend die neuen Besitzer.
Jetzt greift die Politik seit mehreren Jahren massiv zu Gunsten der früheren Monopolisten ein und würgt die dezentrale Energiewende ab. Fördert wieder umwelt- und klimaschädliche fossile Großtechnologien.

Wie soll die Energiewende noch stärker beschädigt werden? Mit einem Thema, das in der Öffentlichkeit noch relativ unbekannt ist und politisch bewusst verschleppt wird:

Durch das Auslaufen der EEG-Förderung ab Ende 2020
Nach 20 Jahren laufen die EEG-Einspeisevergütungen aus. Vor allen Dingen die Windenergie und die Photovoltaik sind davon betroffen. Dies bedeutet, dass dann kein Anspruch mehr auf eine Stromabnahme durch den Netzbetreiber und auch kein Vergütungsanspruch mehr besteht! Das Thema wird seit Jahren politisch bewusst verschleppt und nicht geklärt. Dies geschieht in der Hoffnung dass die meisten Anlagen stillgelegt werden, obwohl sie technisch noch viele Jahre weiterhin umweltfreundlichen Strom erzeugen könnten. Damit würde die Energiewende vollständig torpediert, Rückwärtsgang statt weiter durchstarten.

Denn eine Direktvermarktung des Stroms ist für Photovoltaik und einzelne Windparks praktisch nicht möglich. So wie beim Zubau-Deckel 52 GW Photovoltaik wird auch hier bewusst jahrelang nicht gehandelt - und die fossilen Konzerne sind die Gewinner. Erneuerbare Anlagenbetreiber und die Energiewende die Verlierer.

Von 2020 bis 2025 würden so beim Wind 30% der installierten Leistung (16.000 Megawatt) und 55% der Windräder abgeschaltet werden!
Bei der Photovoltaik 80.900 Anlagen mit erneuerbarem Strom verloren gehen.

Dies muss mit allen Mitteln verhindert werden. Protest ist angesagt.

Verbände wie die Naturstrom AG fordern eine sofortige Auffanglösung zum Weiterbetrieb der Anlagen, indem weiterhin eine Abnahme des erneuerbaren Stroms und eine Vergütung durch die Netzbetreiber stattfindet. Dies je nach Anlage mit einer Mindestvergütung von 3,2 – 4,5 Cent/KWh. Mieterstrom und Verkauf an Dritte wie Nachbarn usw. muss endlich unbürokratisch ohne Gewerbeanmeldung genehmigt werden.

Die Zwangs-Ausbremsgesetze mit der jährlichen Deckelung durch die Zubau-Korridore und der Ausschreibungszwang müssen wieder abgeschafft werden.
Die Erneuerbaren und die Energiewende Vorfahrt haben!