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Was geschieht tatsächlich bei einem schweren Störfall in Neckarwestheim?

b_215_215_16777215_00_images_stories_akt13_131116-stoerfall_131116-8.jpg(Gemeinsame Presseerklärung, 16.11.2013; Bilder am Ende des Artikels) Um 5 vor 12 stieg heute am Atomkraftwerk Neckarwestheim symbolisch eine radioaktive Strahlenwolke auf. Atomkraftgegner ließen 500 Luftballone steigen, um die Auswirkungen eines schweren Störfalls in Neckarwestheim zu zeigen. Die Aktion fand zeitgleich und bundesweit an 6 Standorten von noch laufenden Atomkraftwerken statt: Neckarwestheim, Philippsburg, Grafenrheinfeld, Isar, Grohnde und Lingen.

Alle, die einen Luftballon sehen und finden, rufen wir dazu auf, dies mit der angehängten Postkarte oder direkt im Internet zu melden: www.atomalarm.info

 

 

Was geschieht tatsächlich bei einem schweren Störfall in Neckarwestheim?
Wie rasch breitet sich die Radioaktivität aus?

Aus Untersuchungen und Erfahrungen wissen wir, dass die Ausbreitung innerhalb von wenigen Stunden viele hundert Kilometer betragen kann. In den geltenden Katastrophenschutzplänen sind jedoch Evakuierungen nur innerhalb eines 10 km - Radius vorgesehen. Auch wenn jetzt die Ausweitung auf 20 km geplant wird, bleibt unsere Kritik an den Katastrophenschutzplänen bestehen. Denn ein Super-GAU wie in Fukushima wird dort immer noch nicht berücksichtigt.

Bei uns leben allein im 40 km - Radius um das AKW Neckarwestheim 2,7 Millionen Menschen. Die Radioaktivität breitet sich innerhalb von wenigen Stunden je nach den Windverhältnissen in einem Radius von mindestens 100 – 150 km aus. Eine rechtzeitige Evakuierung ist nicht mehr möglich. Weder bei einem Super-GAU in Neckarwestheim, noch anderswo. Die Ärzteorganisation IPPNW weist zur Recht darauf hin, dass gegen die radioaktive Strahlung keine medizinische Hilfe möglich ist. Im Großraum Stuttgart – Heilbronn würde eine für Jahrhunderte nicht mehr bewohnbare, verstrahlte Zone entstehen.

Mit der heutigen Luftballon-Aktion zeigen wir, wie eine radioaktive Wolke innerhalb von kurzer Zeit viele Menschen völlig unvorbereitet treffen wird. Eine rechtzeitige Evakuierung gar nicht mehr möglich ist. Viele Menschen verlieren für immer Hab und Gut. Kein AKW-Betreiber und keine Versicherung bezahlen den entstandenen Schaden. Nach Fukushima gab es in Japan pro Personen die lächerliche Entschädigung von 6 bis 12.000 Euro, bezahlt vom Staat, da der Betreiber Tepco insolvent war.

Wir, die regionalen Anti-Atom-Initiativen,  fordern deshalb die sofortige Stilllegung des GKN II und aller weiteren noch laufenden Atomkraftwerke!

[Gemeinsame Presseerklärung
Aktionsbündnis Energiewende Heilbronn, BBMN – Bund der Bürgerinitiativen mittlerer Neckar, BI Anti-Atom Ludwigsburg und Aktionsbündnis CASTOR-Widerstand Neckarwestheim]

 

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Im folgenden dokumentieren wir das Schreiben der beteiligten AKW-Gegner/innen der 6 AKW-Standorte an den Vorsitzenden der Innenministerkonferenz:

An den Vorsitzenden der Innenministerkonferenz
Herrn Innenminister Pistorius
Lavesallee 6, 30169 Hannover

12.11.2013

Katastrophenschutz um die Atomkraftwerke in Deutschland
Ausbreitung der Radioaktivität nach einem schweren Störfall

Sehr geehrter Herr Innenminister Pistorius,

mehr als 2 ½ Jahre nach Beginn der Katastrophe von Fukushima sind für den Katastrophenschutz in Deutschland keinerlei ernsthafte und seriöse Konsequenzen gezogen worden.
Das Bundesamt für Strahlenschutz hat in seiner Studie vom Herbst 2011 - methodisch sinnvoll - nicht einen bestimmten Unfallablauf zugrunde gelegt, sondern untersucht, welche Ausbreitungen sich auf Basis lokaler Gegebenheiten und Wetterlagen bei einer Fukushima vergleichbaren Katastrophe in Deutschland ergeben würden.
Als Grundlage für den Katastrophenschutz ist dies exakter als die bis heute üblichen Wahrscheinlichkeitsrechnungen (Eintrittswahrscheinlichkeit x Schadenshöhe).

Vor Harrisburg (1979), Tschernobyl (1986) und Fukushima (2011) wurde die Eintrittswahrscheinlichkeit der jeweiligen Katastrophen = 0 angegeben, weil diese bis dato nicht eingetreten waren. Entsprechend unvorbereitet waren die verantwortlichen Stellen und die Bevölkerung in der Konfrontation mit den atomaren Katastrophen.

Wir - die Unterzeichner/innen dieses Briefes - halten es für unverantwortlich, dass der Supergau von Fukushima und seine Auswirkungen immer noch nicht in der Katastrophenschutzplanung berücksichtigt werden. Eine bislang vorgesehene Evakuierung in einem Radius bis höchstens 10 km widerspricht jedem Strahlen-Szenario nach einem schweren Störfall.

Wir fordern Sie hiermit noch einmal auf, der Katastrophenplanung realistische Ausbreitungsdaten zugrunde zu legen. Die Atomreaktor-Katastrophen von Tschernobyl und Fukushima haben gezeigt, dass die Ausbreitung der Radioaktivität innerhalb von wenigen Stunden über Entfernungen von 150 – 200 km stattfindet.

Dies wird auch die am 16.11.2013 geplante Störfall-Luftballonaktion der Unterzeichner/innen an sechs bundesweiten Standorten von Atomkraftwerken und dem Forschungsreaktor in Berlin deutlich machen. Sie können die Ergebnisse in den nachfolgenden Tagen und Wochen dann auf unserer Homepage www.atomalarm.info einsehen.

Wir fordern Sie auf, den belastbaren Nachweis zu führen, dass im Umkreis von mindestens 170 km um die Atomkraftwerke in Deutschland – die jeweils von vielen Millionen Menschen bewohnt werden - erfolgreiche Evakuierungsmaßnahmen und die erforderliche medizinische Hilfe im atomaren Katastrophenfall möglich sind.

Sollten Sie diesen Nachweis nicht erbringen können, fordern wir Sie auf, für die sofortige Stilllegung der Atomkraftwerke einzutreten!

Konrad Wolking, Osnabrück (AKW Lingen)
Bernd Schlinkmann, Regionalkonferenz AKW Grohnde abschalten
Babs Günther, Schweinfurter Aktionsbündnis gegen Atomkraft (AKW Grafenrheinfeld)
Louis Herrmann, Bürgerforum Landshut (AKW Isar)
Herbert Würth (AKW Neckarwestheim)
Andreas Raschke (AKW Philippsburg)
Dr. med. Angelika Claußen, IPPNW
Peter Dickel, Arbeitsgemeinschaft Schacht KONRAD e.V
Jochen Stay, .ausgestrahlt

 

 Strahlenwolke am AKW Neckarwestheim - 16.11.13, Neckarwestheim  Strahlenwolke am AKW Neckarwestheim - 16.11.13, Neckarwestheim
 Strahlenwolke am AKW Neckarwestheim - 16.11.13, Neckarwestheim  Strahlenwolke am AKW Neckarwestheim - 16.11.13, Neckarwestheim
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