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(PM der Südwestdeutschen Anti-Atom-Initiativen, 25.06.10)

ImageIn den kommenden Tagen soll hochradioaktiver Atommüll vom Kernforschungszentrum GKSS bei Geesthacht an der Unterelbe über eine Strecke von 1500 km zum Kernforschungszentrum Cadarache in Südfrankreich nahe Marseille gebracht werden. Bereits seit  Dienstagvormittag haben Atomkraftgegner/innen in Geesthacht gegen den bevorstehenden Abtransport von radioaktiven Brennstäben protestiert.(a)



Dieser Transport soll per LKW im allgemeinen Straßenverkehr erfolgen und wird dabei auch Südwestdeutschland durchqueren. Der Atommüll in Form von 52 Brennstäben stammt vom einzigen deutschen Frachter mit Atomantrieb, der 1979 stillgelegten „Otto Hahn“. Seit 30 Jahren lagerte das radioaktive Material auf dem Gelände der GKSS und soll nun im französischen Cadarache zusammen mit Atommüll aus dem ehemaligen Kernforschungszentrum Karlsruhe umverpackt werden. In vier Transport- und Lagerbehältern vom Typ CASTOR KNK soll anschließend wiederum ein Transport erfolgen. Diesmal über eine Strecke von 1800 km in das Zwischenlager Nord bei Greifswald-Lubmin - per Bahn.

“Wir fordern den Stopp dieser völlig absurden Atommüllverschiebung. Der Transport gefährdet Millionen Menschen entlang der Fahrstrecke quer durch Deutschland und Frankreich, ein Unfall mit massiver Freisetzung von Radioaktivität könnte ganze Ballungsräume unbewohnbar machen und viele Todesopfer fordern. Wegen der behördlichen Geheimhaltungspolitik bezüglich der Transportzeit und -route wird ein derartiger Unfall die lokalen Katastrophenschutzbehörden und Einsatzkräfte wie Feuerwehr, Rettungsdienste oder THW völlig unvorbereitet treffen. Wir bitten Verkehrsteilnehmer/innen im Umfeld polizeilich begleiteter Schwerlasttransporte in den kommenden Tagen besonders vorsichtig zu fahren, falls der Transport unverantwortlicherweise doch rollen sollte.

Den Müll vom Parkplatz Geesthacht zum Parkplatz Lubmin mit einem Umweg von 3.000 km zu verschieben, bringt ihm seiner Entsorgung keinen Millimeter näher, deshalb sollte er bleiben wo er ist. Die Problematik der ungelösten Endlagerung lässt nur einen Schluss zu: Jegliche weitere Atommüllproduktion ist einzustellen, alle Atomanlagen müssen sofort abgeschaltet werden“, erklärte Thomas Rosa von den Südwestdeutschen Anti-Atom-Initiativen.



(a) Näheres zu den Protestaktionen in Geesthacht:
Artikel: http://wendland-net.de/index.php/artikel/20100623/geesthacht-luftiger-protest-gegen-atommuell-23770

Fotos:
http://yfrog.com/mwgeesthachtj (Quelle "Eichhörnchen")
http://www.eichhoernchen.ouvaton.org/deutsch/anti-atom/gkss/bilder.html
(Fotos frei nutzbar unter Angabe der Quelle "Eichhörnchen")


Hintergrund:

1. Das GKSS-Forschungszentrum

Das GKSS-Forschungszentrum wurde 1956 als Gesellschaft für Kernenergieverwertung in Schiffbau und Schifffahrt GmbH (GKSS) im Geesthachter Ortsteil Krümmel gegründet. Den Vorsitz übernahmen u.a. Erich Bagge (1) und Kurt Diebner (2), zwei Physiker welche bereits in der Nazizeit an der Atombombe forschten und diese Forschungen in der Nachkriegszeit fortsetzten. In der Folge wurden auf dem Gelände zwei Forschungsreaktoren errichtet, der Forschungsreaktor Geesthacht 1 (FRG 1) nahm 1958 den Betrieb auf und wurde 2010 stillgelegt. Der FRG 2 startete 1963 und wurde 1993 stillgelegt.

Das im Wesentlichen vom Bund (90%) und den Ländern Schleswig-Holstein, Niedersachsen, Hamburg und Brandenburg (10%) finanzierte GKSS ist Mitglied der Hermann von Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren. Auf dem Gelände befindet sich ebenfalls die Landessammelstelle für radioaktive Abfälle der Länder Bremen, Hamburg, Niedersachsen und Schleswig-Holstein.

In der Umgebung des GKSS und des Atomkraftwerkes Krümmel wurde eine der höchsten Leukämieraten bei Kindern weltweit festgestellt. Als eine mögliche Ursache ist die Freisetzung von radioaktiven Kügelchen durch einen Unfall auf dem Gelände der GKSS im Gespräch.(3)

2. Atommüll der „Otto Hahn“

Der atomgetriebene Frachter „NS Otto Hahn“ wurde 1968 fertiggestellt und ab 1979 stillgelegt. Die damaligen Stillegungskosten betrugen laut Angaben der GKSS 46 Millionen DM. Das Schiff wurde nach dem Ausbau des Reaktors mit einem konventionellen Antrieb weiterbetrieben und 2010 abgewrackt.(4)

Auf dem Gelände des GKSS wurden anschließend die 52 Brennstäbe, der Reaktordruckbehälter und weitere Abfälle wie gebrauchte Schutzkleidung, Filter und Rohre gelagert.(5) Die Öffentlichkeit erfuhr von den im FRG 1 gelagerten Brennstäben erst durch den geplanten Abtransport, bis dato vermutete man diese im ehemaligen Kernforschungszentrum Karlsruhe.(6)

Das GKSS hat das Unternehmen Nuclear Cargo & Service (NCS) beauftragt, die 52 Brennstäbe aus dem Atomschiff in Transportbehältern des Typs TN 7-2 mit dem LKW in das französische Kernforschungszentrum Cadarache zu transportieren.(7) Das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) hat am 1. Juni 2010 die Genehmigung für diesen Transport erteilt.

Die 49 bestrahlten und 3 unbestrahlten Brennstäbe der „Otto Hahn“ sollen in Cadarache zusammen mit abgebrannten Brennstäben aus der Kompakten Natriumgekühlten Kernreaktoranlage KNK ('Schneller Brüter') und bestrahlten und unbestrahlten Brennstäben aus Nuklearexperimenten des ehemaligen Kernforschungszentrums Karlsruhe in vier Behälter des Typs CASTOR KNK umgeladen werden.

Anschließend sollen diese Behälter per Bahn in das Zwischenlager Nord auf dem Gelände des ehemaligen Atomkraftwerks Greifswald-Lubmin verfrachtet werden und dort für unbestimmte Zeit gelagert werden.(8) Das BfS hatte diesen Transport bereits am 30. April 2010 genehmigt.

Der Abfahrtstermin und die Transportroute werden von den Behörden geheimgehalten, für den  Transport zuständig sind die jeweiligen Innenministerien der Bundesländer.


(1) http://de.wikipedia.org/wiki/Erich_Bagge
(2) http://de.wikipedia.org/wiki/Kurt_Diebner
(3) www.anti-atom-aktuell.de/archiv/174/174schweigen.html /
http://www.anti-atom-aktuell.de/archiv/136/136grauzone.htm
(4) www.gkss.de/imperia/md/content/gkss/presse/geschichte/gkss_50jahre_kapitel1.pdf – S. 25
(5) www.bergedorfer-zeitung.de/geesthacht/article73212/Noch_mehr_Atom_Muell_auf_dem_GKSS_Gelaende.html
(6) www.bergedorfer-zeitung.de/geesthacht/article72996/Noch_immer_52_Brennstaebe_in_Geesthacht.html
(7) www.taz.de/1/nord/artikel/1/der-transporteur-hat-das-sagen/
(8) www.linkszeitung.de/akwcas100615liz.html



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Die Südwestdeutschen Anti-Atom-Initiativen sind ein seit über 10 Jahren bestehender Zusammenschluss von Gruppen der Anti-Atom-Bewegung aus Südwestdeutschland. Sie haben einen wesentlichen Teil der Aktion
„Anti-Atom-Umzingelung“ in Biblis organisiert.
Webseite der Initiativen: www.atomausstieg-sofort.de
Webseite der Biblis-Umzingelung: www.anti-atom-umzingelung.de/