Wir schreiben Geschichte

b_215_215_16777215_00_images_stories_buecher_buch-anti-akw-tresantis.jpgKeine andere soziale oder politische Bewegung in diesem Land war so erfolgreich wie die Anti-Atomkraft-Bewegung. Ihre Geschichte beginnt in den frühen 1970er Jahren und ihr Ende ist nicht in Sicht - der »Energiewende« und der Stilllegung einiger Atomkraftwerke zum Trotz.
Und selten zuvor hat eine Bewegung in ihrer Argumentation so richtig gelegen wie diese: Alle Probleme der Atomenergienutzung und deren Folgen, die sie vorausgesagt hat, sind eingetreten.
Nie zuvor und in keinem anderen politischen Zusammenhang kämpften so unterschiedliche Protagonisten neben- und miteinander: Bäuer*innen, Winzer, linke Student*innen und Jugendliche, Alte und Junge, Hippies, K-Gruppenmitglieder und Autonome, Konservative und Militante. Nie zuvor waren die Mittel des Kampfes so unterschiedlich, umfassend und fantasievoll. Nie zuvor beteiligten sich so viele an Info- und Aufklärungsaktionen, strömten zu Demos, kämpften an Bauzäunen, besetzten Bauplätze und blockierten Transportwege.


Doch auch nie zuvor in der Geschichte der BRD schlug der Staat mit solch brutaler Gewalt zurück, setzte elementare Grundrechte für so viele außer Kraft und ignorierte jahrzehntelang den erklärten Willen der breiten Mehrheit der Bevölkerung.
Das vorliegende Buch berichtet nicht nur über einen großen Zeitraum hinweg von diesem breiten Spektrum der Kämpfe und lässt damalige und heutige Protagonist*innen selbst zu Wort kommen, sondern gibt auch einen Ausblick auf die Zukunft der Atompolitik und die zu erwartenden neuen Auseinandersetzungen.

Das Tresantis-Kollektiv vereint Querköpfe, die an unterschiedlichen Orten und zu unterschiedlichen Zeiten eng mit dem Widerstand gegen Atomanlagen verbunden waren und sind. Der Name liefert einen Hinweis darauf, dass sie – entgegen dem allgegenwärtigen Wunsch, immer und überall positiv zu sein – bereit sind, nein zu sagen. Sie stehen zu ihrer vielfachen anti-Haltung: anti-Atom ist für sie untrennbar verbunden mit anti-autoritärer, anti-staatlicher, anti-kapitalistischer Grundhaltung.

Die anti-Atom-Bewegung
Tresantis (Hg)
Assoziation A | Gneisenaustraße 2a | 10961 Berlin
ISBN 978-3-86241-446-8
http://www.anti-atom-aktuell.de/Buch/
www.assoziation-a.de

 

Widerstand ohne Ende

Wyhl 1975: ein Bauplatz wird besetzt, ein AKW verhindert. »Wenn dieses Beispiel Schule macht, dann wird das Land unregierbar«, fürchtet der Ministerpräsident. | Brokdorf 1981: eisiger Wind pfeift über die Wilster Marsch. Polizeieinsatzkräfte sind massiv präsent, sie errichten Straßensperren. Trotz Demonstrationsverbots machen sich 100.000 auf den Weg. | Wackersdorf 1986: Tausende beteiligen sich an den Zaunkämpfen, Oberpfälzer*innen stehen im CS-Gas-Nebel und reichen Benzinkanister nach vorn. | Gorleben 1997: Hunderte unterhöhlen die Castorstraßenstrecke, Dutzende Traktoren der Bäuer*innen stehen als Schutz um die improvisierte Baustelle. Mehrere Tausend Menschen verzögern mit einer Sitzblockade vor den Toren der Umladestation in Dannenberg den Castortransport um viele Stunden.
Mit den fast jährlichen Castortransporten wächst der Widerstand. Immer mehr Menschen haben ihren Platz darin gefunden - quer durch alle gesellschaftlichen Schichten und Berufe. Kinder und Enkelkinder wachsen im Widerstand auf und sind davon geprägt. Im Zusammenwirken autonomer und anderer politischer Zusammenhänge hat sich ein verlässliches und erfahrenes Widerstandsnetz gebildet, das jederzeit aktivierbar ist und die sozialen Verhältnisse bis in den Alltag hinein verändert.
Die anti-AKW-Bewegung ist nach der 68er Studentenbewegung die größte außerparlamentarische Bewegung – bis heute. Wie erklärt sich diese Vehemenz? Was hat Menschen bewogen, aktiv zu werden, über sich selbst hinauszuwachsen, Schritte zu wagen, die sie vorher vielleicht einmal angedacht, aber nie getan haben? Wie wirken sich der Atomkonsens und der sogenannte Atomausstieg auf die Bewegung aus? Und warum ist der Streit um die Atomenergie noch lange nicht zu Ende?

Mit einer Mischung aus durchaus subjektiven Berichten der beteiligten Akteur*innen und Hintergrundschilderungen sucht das Buch nach Antworten auf diese Fragen.