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> Obrigheim: Atomschrott auf dem Weg nach Lubmin

contrAtom 24.09.2008 14:19 Themen: Atom

Ein Transport mit radioaktiv belastetem Schrott aus dem stillgelegten
Atomkraftwerk Obrigheim (Baden-Württemberg) ist auf dem Weg nach Lubmin.
Das sagte ein Sprecher der Energiewerke Nord (EWN) heute.
Die Dampferzeuger sollen unter größten Sicherheitsbestimmungen in Lubmin
zerlegt und wenn möglich durch physikalische und chemische
Spezialverfahren wie das Abstrahlen dekontaminiert werden. Das
Innenministerium in Schwerin hatte vor einem halben Jahr nach langem
Rechtsstreit den Weg für die Pufferlagerung und Bearbeitung von
großteiligem schwach und mittel radioaktiv belasteten Atommüll
freigemacht.

Wie aus Pressekreisen zu erfahren war, soll der Transport mithilfe eines
Schiffes stattfinden. Vermutlich führt die Route eines Binnenschiffes
o.ä. über den Neckar in den Rhein, von dort über die Niederlande in die
Nordsee, später durch den Nordostseekanal in die Ostsee. Das
Zwischenlager Lubmin befindet sich mit kleinem Ostseehafen nahe
Greifswald.

Das Atomkraftwerk Obrigheim war seit 1968 in Betrieb, ist seit dem 11.
Mai 2005 im Zuge des "Atomkonsens" abgeschaltet und befindet sich im
Rückbau. Dieser soll laut Betreiber 2023 abgeschlossen sein.

Dampferzeuger im Druckwasserreaktor
Die Dampferzeuger befinden sich im primären und radioaktiven
Kühlkreislauf eines Atomkraftwerkes. In diesen etwa 200 Tonnen schweren
Teilen wird das Wasser des Sekundärkreislaufes erhitzt, welches dann die
Turbinen antreibt, die Strom erzeugen. Durch den Kontakt mit radioaktivem
Kühlmittel aus dem ersten Wasserkreislauf werden diese Bauteile
radioaktiv - und sind somit Atommüll.

Großkomponenten: Keine Entsorgungslösung weltweit
Für derartige Großkomponenten wie radioaktiv verseuchte Dampferzeuger aus
Atomkraftwerken gibt es derzeitg weltweit keine Entsorgungslösung.
Hunderte warten in Zwischenlagern auf ihre Entsorgung. In Schweden wird
in einem Unternehmen, an dem Vattenfall und E.ON beteiligt sind, an den
Dampferzeugern des AKW Stade, die im September 2007 dorthin transportiert
worden waren, ein Prototypverfahren entwickelt und getestet, diese
Komponenten zu entsorgen.
Vermutlich werden also die Dampferzeuger aus Obrigheim noch Jahre in der
Zwischenlagerhalle Lubmin auf eine "fachgerechte Entsorgung" warten.

Lubmin: gebaut für Atommüll aus ehem. Ost-AKW
Bei Bau des Zwischenlagers in Lubmin wurde der Bevölkerung versprochen,
dort ausschließlich Atommüll aus dem Abriss der ehemaligen DDR-Reaktoren
in Greifswald und Rheinsberg sowie dem Forschungszentrum Rossendorf
einzulagern. Im April 2005 beantragte jedoch der Betreiber, die
Energiewerke Nord eine Änderung der Betriebsgenehmigung, um das Lager
auch für West-Müll zu öffnen. Anfang 2004 kündigten die Betreiber an,
auch Abfälle aus dem Rückbau von deutschen Atomanlagen aufnehmen zu
wollen.
Die Atommüllentsorgung der ganzen Republik wird also u.a. auf dem Rücken
der dortigen Bevölkerung ausgetragen.

2009: Castortransport erwartet
Im kommenden Jahr soll ein Transport mit fünf Castor-Behältern mit
hochaktiven Abfällen aus der ehemaligen Wiederaufarbeitungsanlage
Karlsruhe nach Lubmin durchgeführt werden. Dagegen haben diverse
Antiatomgruppen bereits Proteste angekündigt.

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