b_215_215_16777215_00_images_stories_akt11_0425ts_bilder_Erdebegraben.jpgRadioaktivität kann man nicht fühlen, nicht sehen, nicht schmecken – Radioaktivität kann man nur messen. Radioaktivität führt auch in geringen Langzeit-Dosierungen zu Erkrankungen.

 

 


In und um Tschernobyl herrschte in den Tagen nach dem Supergau typisches Hochdruckwetter, d.h. der Wind war sehr schwach und stark wechselnd. In nur 1,5 km Höhe betrug die Windgeschwindigkeit bereits 8 – 10 m/Sekunde, die Strömungsgeschwindigkeiten lagen zwischen 30 und 60 km/h. Die Wolke erreichte deshalb bereits nach 24 Stunden Skandinavien. Dort zeigten die Messgeräte sofort die überhöhte radioaktive Strahlung an, der Streit um die globalen Auswirkungen der Reaktorkatasrophe auf die Gesundheit der Menschen begann. Während in der Sowjetunion die Politiker alles vertuschen und leugnen wollten, setzten die BRD-Politiker und die deutsche Atomindustrie auf verharmlosen, kann bei uns nicht passieren, ist doch alles ganz weit weg.

Aufgrund der Wind- und Strömungsgeschwindigkeiten können die radioaktiven Wolken in fünf Perioden eingeteilt werden:

 

1. Gebiet: Skandinavien, Finnland, Baltikum

Emission aus dem Reaktor: 26. April

Ankunft: 27. bis 30. April

 

2. Gebiet: östliches Mitteleuropa, Süddeutschland, Italien, Jugoslawien

Emission: 27. April

Ankunft: 28. April bis 2. Mai

 

3. Gebiet: Ukraine und ostwärts

Emission: 28. – 29. April

Ankunft: 28. April bis 2. Mai

 

4. Gebiet: Balkan, Rumänien, Bulgarien

Emission: 29. – 30. April

Ankunft: 1. bis 4. Mai

 

 

5. Gebiet: Schwarzes Meer, Türkei

Emission: 1. – 4. Mai

Ankunft: 2. Mai und danach

 

 

 

 

Bundesrepublik Deutschland:

 

Vom 30. April auf den 1. Mai führten schwere Regenfälle  zu einem breiten Band von radioaktiven Naßablagerungen in Südostfrankreich, der Schweiz, Österreich, der damaligen Tschechoslowakei und in Süddeutschland. Bis zum 2. Mai erfasste die radioaktive Wolke ganz Deutschland.

Britische und amerikanische Untersuchungen über die globalen Auswirkungen der Katastrophe fanden heraus, dass die tatsächliche kollektive Dosis der Gesamtbevölkerung in der BRD am höchsten in Europa war. Der größte Teil hiervon entfällt auf die Menschen in Süddeutschland.

Laut der Strahlenschutzkommission (veröffentlicht 1987) betrug die Kontamination des Erdbodens durch Caesium 137 in der BRD flächendeckend 2001 – 10.000 Becquerel. Jedoch in Süddeutschland je nach Kontamination zwischen 10.001 bis zu 45.000 Becquerel.

Das langlebige Caesium 137 hat eine Halbwertszeit (!) von 30 Jahren. Es ist dasjenige Isotop, das für die radioaktive Verseuchung der Umwelt nach Atombombentests und bei Unfällen in Atomreaktoren am meisten verantwortlich ist.


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